Der Autopilot

Von außen läuft alles. Du hast es im Griff. Aber innerlich bist du längst nicht mehr da.

Anne Zahnwetzer

7/26/20262 min read

Der Autopilot

Morgens…früh…

Du stehst auf, machst Kaffee, checkst Mails, bringst die Kinder weg oder dich selbst viel zu früh zur Arbeit, arbeitest, kaufst ein, kochst, räumst auf, antwortest auf Nachrichten, planst, organisierst… funktionierst.

Du machst alles richtig. Von außen läuft es. Du hast es im Griff.

Aber innerlich? Innerlich bist du nicht da.

Du reagierst nur noch. Auf Anfragen. Auf Erwartungen. Auch auf die, die du dir erzählst, dass sie da sind. Auf das, was eben so kommt. Du lebst von Woche zu Woche. Von To-Do zu To-Do.

Und irgendwo dazwischen, wischen den Terminen, zwischen den Aufgaben, zwischen dem ganzen Funktionieren, zwischen dem ganzen Jonglieren und dem Grübeln, hast du dich verloren.

Das ist der Autopilot.

Er ist nicht sichtbar. Du siehst keine Warnung. Kein Lämpchen blinkt. Aber du spürst ihn.

In diesen leisen Momenten abends, wo du denkst:

  • "Was habe ich eigentlich alles gemacht heute?

  • Und gestern?"

In diesen Momenten, wo du denkst: "Verdammt, das will ich so nicht mehr."

In diesen Momenten, wo du fühlst: "Oh, schon wieder Rücken oder Nacken."

In diesen Momenten, wo eine kleine Stimme in dir flüstert: "Da ist noch mehr in diesem Leben."

Die du "by the way" prompt ignorierst.

Der Autopilot ist kein Charakterzug. Es ist nicht "wer du bist".

Es ist ein Programm. Ein Programm, das vor Jahren installiert wurde:

  • "Sei produktiv."

  • "Mach es allen recht."

  • "Deine Bedürfnisse sind zweitrangig."

  • "Funktionieren bedeutet, du bist wertvoll." "

  • Sei stark. Sei perfekt. Sei immer für alle da."

Und jetzt läuft dieses Programm. Automatisch. Unsichtbar. 24/7.

Du denkst, du entscheidest. Aber in Wirklichkeit wirst du entschieden. Du wirst gesteuert durch diese ganzen Bullshitstories. Du denkst, du lebst. Aber der Autopilot funktioniert.

Und hier ist das Problem:

Du kannst den Autopiloten nicht mit Willenskraft abschalten. Du kannst ihn nicht wegdenken.

Du kannst nicht einfach sagen: "Ab heute lebe ich anders."

Weil der Autopilot tiefer sitzt. In deinem Nervensystem. In deinen neuronalen Bahnen. In deinen unbewussten Mustern, über Jahrzehnte festgeschrieben.

Aber und das ist wichtig: Was mal installiert wurde, kann auch wieder deinstalliert werden (wissen wir ja alle vom Smartphone). Du kannst ihn deaktivieren, die Anteile nutzen, die dir was bringen, und ansonsten frei sein, selbst zu entscheiden, wer du jetzt sein willst und was du tun möchtest. Systematisch. Schritt für Schritt.

Nicht über Nacht. Aber reproduzierbar.

Dein erster Schritt:

Kein großer Plan. Nur eine Beobachtung.

Heute Abend, bevor du schlafen gehst: Frag dich einmal, ohne zu urteilen

Wann heute war ich wirklich da, und wann bin ich nur durchgelaufen?

Schreib die Momente auf, die dir einfallen. Mehr nicht.

Der Autopilot verliert seine Macht in genau dem Moment, in dem du ihn bemerkst.


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