Die meisten Frauen tun das absolut Richtige und treten gestresst auf der Stelle

Wir machen alles richtig und merken erst abends auf dem Sofa, was uns dabei verloren geht.

Anne Zahnwetzer

8/1/2026

Die meisten Frauen tun das absolut Richtige und treten gestresst auf der Stelle.

Wir ergeben uns dem Alltag. Termine, Besorgungen, Besprechungen.

„Wir haben den ganzen Tag alles getan, was zu tun ist. Und abends sind wir einfach nur müde und ausgelaugt. Da ist vielleicht kurz ein gewisser Stolz, dass wir den Tag so souverän gewuppt haben, aber keine Zufriedenheit und schon gar keine Erfüllung."

In Gesprächen endet dieses Thema entweder mit der kollektiven Feststellung: „Das ist halt so" oder dem netten Rat: „Mit etwas mehr Disziplin wird das schon".

Das ist totaler Bullshit.

Diesen Zustand erklären wir uns dann wie folgt:

Ist doch halb so schlimm.
In vier Wochen wird es besser.
Nur noch das eine Projekt, danach wird es ruhiger.

Vielleicht kennst du diese Sätze aus deinen eigenen Selbstgesprächen.

Stress braucht immer Ruhe und Pausen, damit wir uns wieder aufladen können und damit wir überhaupt wachsen und uns weiterentwickeln können.

Wir sind rein evolutionär für die Weiterentwicklung gebaut und stellen uns tagtäglich selbst ein Bein, ohne es wirklich wahrzunehmen.

Wir merken, wir fühlen uns nicht gut bei dem, was wir tun, oder da ist dieser fade Beigeschmack, und erzählen uns trotzdem, dass das normal ist.

  • Wir befinden uns in einem ständigen Kreislauf, der uns nie wirklich zur Ruhe kommen lässt, teilweise nicht mal abends auf dem Sofa. Laut TK-Stressreport 2025 fühlen sich rund zwei Drittel der Menschen im Alltag oder Job häufig oder zumindest gelegentlich gestresst, und nur 8 % erleben gar keinen Stress.

Wir sind stolz darauf, wie viele Dinge wir erledigen, wie sehr wir gebraucht werden, welche großen Projekte wir stemmen. Wir sehen, was wir tun, und es ist für uns normal, immer viel zu tun zu haben, das ist Standard.

Und eben dieser Standard bedingt, dass wir blind dafür bleiben, dass der Moment der Ruhe nicht kommt, wenn wir nichts ändern. Wir bewegen uns weiter im Kreislauf:

  • Was ist noch zu tun?

  • Und was noch?

Immer mit dem Bild vor Augen, das uns als die perfekt hochleistende Frau zeigt, an der wir uns messen, und vielleicht ein bisschen mit dem Blick zur Seite, wie erfolgreich andere das auch tun.

Aber nicht nur die sichtbaren Dinge verlangen uns einiges ab.

Der Druck, den wir uns selbst machen, lässt uns immer weniger wir selbst sein.

Wir hängen uns als Sklaven an unsere To-do-Liste und an die Dinge, die von außen auf uns einströmen, und messen unseren Wert an den Dingen, die wir schaffen, die wir durchziehen und die wir ertragen.

Dabei erzählen wir uns Dinge wie:

  • Das ist halt so.

  • Kein Ding

  • Das schaffe ich schon

  • Alles gut, das ist doch kein Problem.

Rein evolutionär ist das nachvollziehbar, weil wir so Anerkennung bekommen und einer Gruppe zugehörig sind, indem wir alles tun, was zu tun ist.

Das war im Zeitalter des Säbelzahntigers überlebenswichtig, jetzt entsteht dadurch jedoch ein Zustand von Dauerstress, den wir als normal erachten, weil wir ihn immer in uns mittragen.

Der Tiger existiert also nicht mehr im Außen, sondern in uns selbst.

Wir sind unser eigener Antreiber geworden. Und irgendwann merkst du, dass du gar nicht mehr weißt, was du eigentlich gut kannst oder gerne tust, einfach weil du es nie gebraucht hast. Weil es in deinem Leben ja ums Durchziehen geht und nicht darum, zu fragen: Passt das zu mir? Will ich das?

Über die Jahre entfernen wir uns immer mehr von dem, was eigentlich in uns angelegt ist, und leben ein limitiertes Leben mit immer weniger Energie. In unserem Kopf kursiert das Bild, dass wir, wenn wir dann mal in Rente gehen oder die Kinder groß sind, ein ruhigeres Leben leben mit all dem, was wir wollen. Wenn dann der Stress durch die multiplen äußeren Anforderungen weg ist, sehen wir uns mit einer Piña Colada unter der Palme am Meer sitzen. Das war's.

Den Zustand des Durchziehens erklären wir uns dann selbst damit, dass wir im Außen sehen, dass es allen so geht. Unser System schützt uns mit einer Art Resignation. Wir werden blind dafür, dass es überhaupt anders gehen könnte.

Aktiv sehen wir ausschließlich das, was unseren Zustand erklärt, und geben uns damit zufrieden und machen weiter.

Menschen haben einen natürlichen Drang, sich zu entwickeln. Wir haben diesen Funken in uns, der in der Kindheit hell lodert, uns auf Entdeckungsreisen gehen lässt, aus voller Kehle lachen lässt und auf irgendeine Weise unser eigenes megageniales Universum erschafft. Ab einem gewissen Punkt in unserem Leben ist diese Magie verschwunden.

  • Diese Magie steckt immer noch in uns, und wenn wir richtig hinhören, können wir sie noch hören. Wir spüren sie in den Momenten, wo wir abends auf dem Sofa liegen, verzweifelt sind, nicht wissen, wie das in fünf Jahren aussehen soll, und uns fragen: Wo hab ich eigentlich Bock drauf? Das muss doch anders gehen können. Diese kleinen leisen Momente, in denen du spürst, da ist mehr.

In diesen Momenten öffnet sich diese Tür zu der, die wir sein könnten, und wir treten sie förmlich zu, mit den nächsten Gedanken, die automatisch auftauchen und suggerieren, dass wir halt einfach so sind, wie wir sind. Basta.

Entweder leben wir also weiter dieses graue Leben innerhalb dieses Systems und der „Stress"-Dauerschleife, oder wir begeben uns auf eine Veränderungsreise, von der die meisten glauben, dass sie nicht möglich ist.

Aber die Tür war einen Moment lang offen.

Das reicht schon. Du musst sie nicht aufreißen und alles auf einmal verändern. Du musst sie nur diesmal nicht ganz zuschlagen.

Ein Anfang braucht keinen Plan. Nur eine Frage.

Dein konkreter Schritt diese Woche:

30 Minuten. Schreibzeug. Ein Kaffee.

Beantworte diese Frage: Wo hab ich eigentlich Bock drauf?

Notiere 30 Antworten. Groß, klein, absurd, unmöglich, ganz egal.

Und dann setze eine Sache davon um, direkt.


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